Reisebericht Providence 2000 Teil 6 |
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Tja, ich muß zugeben, daß ich in Bezug auf Reiseberichte ziemlich nachgelassen habe in den letzten Wochen. Wahnsinnig viel ist zwar nicht passiert, dennoch hat sich inzwischen schon genug für drei weitere Berichte angesammelt. Heute hat der August begonnen, also sind ganze acht Wochen aufzuholen. Fangen wir mal mit einem kurzen Überblick der ersten paar Wochen an, in denen nicht so viel passiert ist, damit es nicht zu langweilig wird, gibts noch einen Überblick über meine Studienarbeit.
An dem Wochenende des Umzugs, von dem ich im letzten Bericht erzählt hatte war auch Pfingsten, wovon man natürlich in USA nicht allzuviel merkt. Am Dienstag kam ein neuer Mitbewohner an, endlich mal ein richtiger TU-Informatiker! Er heißt Jan und schreibt am CRCG seine Diplomarbeit über Mobile Agenten. Nach ein wenig Rumräumerei bekommt er mein erstes Zimmer das zwischenzeitlich von Sabine belagert war. Am Freitag war wieder Live-Konzert am Waterplace-Park, diese finden dort ziemlich regelmässig statt und sind frei für jedermann. Die Musikrichtung schwangt ziemlich stark, allerdings mehr oder weniger im Jazzbereich und damit nicht schlecht. Danach war mal wieder ein Salsa-Kurs angesagt. Am Samstag gings in Mission Impossible 2 (IMDB: 0120755). Nicht so der Wahnsinns-Streifen, da viele Ideen von anderen Filmen abgekupfert waren und die Handlung auch reichlich flach war, dennoch gute Effekte und als Aktienfilm durchaus mit Daseinsberechtigung.
Fronleichnam geht vorbei, ohne das man es mitbekommt, ein weitere Salsakurs steht an. Eine Woche später mal wieder Kino, diesmal Chicken Run, ein Film von den Regisseuren von Wallace and Grommit. Animation mit Knete, gut gemacht, dennoch nicht mit dem Kultcharakter der Wallace and Grommit-Kurzfilme.
Das ICPNM-Programm geht zuende, und was biete sich da nicht mehr an, als eine Feier der ICPNM-Studenten, am Tag darauf, ein Samstag, gings an den Strand in Newport. Das Wetter war top und man konnte mal so richtig ausspannen.
Die Hochzeit meines Bruders rückte näher und ich beschloß spontanerweise noch eine Hochzeitszeitung auf die Beine zu stellen, innerhalb von zwei Tagen stand dann eine dreißig Seiten starke Hochzeitszeitung, die digital nach Deutschland übertragen wurde, um dort ausgedruckt zum Copy-Shop gebracht werden zu können. Keinen Tag zu früh war sie fertig, um an der Polter-Hochzeits-Ackerparty verteilt werden zu können.
Am Wochenende der Ackerparty schaute Martin Hirzel mal wieder rein, an diesem Tag begannen auch die Gravity-Games in Providence. Mit viel Aufwand finden auf dem Waterplace-Gebiet verschiedenste Wettbewerbe mit BMX-Bikes, Motorbikes, Inline-Skates und Skate- sowie Wakeboards statt. Der Eintritt ist frei, es gibt massenweise Live-Konzerte und es ist die nackte Hölle los. Da keine besonders guten Sitzplätze mehr zu bekommen waren verzogen wir uns dann doch lieber ins Irish-Pub um ein wenig Billiard zu spielen.
Und schon wieder ist eine Woche rum und wir sind beim 19. August angelangt, in New York beginnt die MacWorldExpo und wenn man quasi um die Ecke wohnt, sollte man sich sowas nicht entgehen lassen. Mit dem Greyhound-Bus dauert eine Fahrt zwar immer noch fünf Stunden, aber was solls. Am Donnerstag früh um fünf gings los, Christian kam mit und wegen einer speziellen Companion-Fare kostete die Fahrt hin und zurück dann auch nur 20 Dollar pro Person.
Auf der Expo gabs diesmal viel zu sehen. Apple stellte drei neue Rechner und einige Peripherie vor, am bekanntesten sicherlich der Power Macintosh Cube, ein würfelförmiger Rechner mit zwanzig Zentimeter Kantenlänge und kultigem Aussehen. Wir nahmen an einigen Gewinnspielen teil und ich hatte das Glück eine kleine USB-Maus abzustauben. Ansonsten will ich euch nicht weiter mit für Euch wahrscheinlich langweiligen Details nerven, dennoch wars ein tolles Erlebnis. New York an sich haben wir uns garnicht weiter angesehen, wir kannten es eh beide schon und besonders begeistert bin ich von diesem engen "Melting-Pot" sowieso nie gewesen. Abends gings also wieder per Bus zurück in das dann noch mehr verschlafen wirkendere Nest Providence.
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Tja, so schnell kann man die Ereignisse von sechs Wochen zusammenfassen, wenn man nur die Freizeitaktivitäten betrachtet. Natürlich wurde die restliche Zeit mit meiner System-Administrations-Tätigkeit und meiner Studienarbeit ausgefüllt. Die SysAdmin-Sachen nehmen so langsam Struktur an, ich kann jetzt nur noch hoffen, daß meine Arbeit hier nicht umsonst war und weiter gepflegt wird. Zum Thema Studienarbeit: Die meisten von Euch wissen ja noch immer nicht genau, was ich hier eigentlich mache. Zu meinen System-Administrationstätigkeiten habe ich mich ja schon ein paar mal ausgelassen. Um die Studienarbeit habe ich mich indessen etwas herumgedrückt, da es nicht so einfach ist, einem Nicht-Informatiker das Thema zu erklären. Dennoch will ich hier einmal einen Versuch unternehmen. Wollen wir einmal etwas weiter ausholen - Weit vor meiner Zeit um 1940 herum entwickelte Konrad Zuse den ersten frei programmierbaren Computer. Programmieren heißt, den Computer mit Arbeitshinweisen zu füttern, damit er weiß, was er tuen soll. Am Anfang waren diese Programme noch recht einfach und wurden meist von wenigen Leuten programmiert. Mit der Zeit nahm aber die Komplexität zu und es wurde nach Möglichkeiten gesucht, Programme besser zu strukturieren, so daß sie auch von mehreren Leuten geschrieben und verbessert werden konnten. Eines der wichtigsten Aspekte dabei war die sogenannte Objektorientierung. Der eigentliche Gedanke dabei war, Objekte aus dem realen Leben irgendwie im Computer darzustellen. Wenn man also beispielsweise einen Geldautomaten programmieren mußte, gab es eine Eingabefeld (für die Zahlen) eine Anzeige, ein Bargelddepot, ein Konto (oder besser mehrere Konten) und so weiter. Na, wirds schon langweilig? Hatte ich vermutet, aber jetzt habt Ihr schon die Hälfte, also könnt Ihr den Rest auch noch lesen. Diese Objekte haben natürlich irgendetwas miteinander zu tun: Geldbetrag eingeben, Konto überprüfen, genug Geld? Geld von Bargelddepot abheben, Konto belasten, nicht genug Geld? Auf Anzeige dem Kunden sagen, daß er gefälligst Geld auf sein Konto tuen soll. Naja, soweit alles recht einfach. Vor ein paar Jahren gab es nun einen Ansatz, diese Beschreibung der Objekte zu standardisieren, sodaß sich Programmierer untereinander besser verständigen können und auch Leute, die nicht so direkt mit Computern zu tun haben sich diese Beschreibungssprache aneignen können. Der Hauptteil dieser "Beschreibungssprache" besteht aus einfachen Bildern, für das oben beschriebene Beispiel würde ein solchen Bild beispielsweise so aussehen:
Meine Idee bzw. Aufgabe ist es nun, diese Diagramme zum Leben zu erwecken. D.h. wenn man nun erklären will, was passiert, wenn jemand Geld abhebt könnte beispielsweise zuerst das Eingabefeld aufblinken, dann würde ein Pfeil auf das Bargelddepot zeigen, dieses würde etwas Aktivität von sich geben und dann kurz bei dem Konto nachfragen und so weiter. Ich hoffe mal, daß das soweit verständlich war, für Fragen bin ich natürlich immer offen. |
Okay, ich denke mal, ich hab Euch genug genervt. Etwas spannender und lustiger wirds dann im nächsten Reisebericht, da gehts nämlich um Wale, Schwule und Segeln: Teil 7.